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#gelassenheit

Plagt dich gleich das schlechtes Gewissen, wenn du „zu faul“ bist? Ungewöhnlich wäre das nicht. Faulheit ist verpönt in unserer Gesellschaft.  Das Wort „faul“ trägt die negative Wertung sogar bereits in sich. Die physische Fäulnis steht für die angeblich moralische Verdorbenheit einer Person, die Anstrengungen vermeidet.

Doch das war nicht immer so.

In der Antike galt die Muße als erstrebenswertes Ideal. Im Mittelalter wurde die Anstrengungsvermeidung dann zu den sieben Lastern gezählt, die zu Trägheit des Herzens, Trübung des Willens, Verfinsterung des Gemüts und dem Verlust der Tatkraft führt. Ganz schön düster.

Hoch angesehen ist der Fleiß in der Leistungsgesellschaft der Gegenwart. Wehe, wenn da jemand das bedingungslose Grundeinkommen fordert! Den Tüchtigen gehört schließlich die Welt. Sei kein Bummelstudent, sondern nimm die Autobahn durchs Studium. Wer essen will, soll arbeiten. Nach der Arbeit gehst du am besten noch ins Fitnesscenter, den „inneren Schweinehund besiegen” – so gehört sich das, wenn nicht gibt’s eine Runde Fat Shaming. Auch im Urlaub soll nicht pausiert werden, denn da gibt’s ein Pensum an zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten.

 Sieben Gründe, warum Faulheit eigentlich doch sinnvoll ist

  1. Höhere Effizienz: Faule Menschen trachten danach, umständliche, langwierige oder anstrengende Tätigkeiten eher zu vermeiden. Sie finden daher oft die einfachsten und effizientesten Lösungen.
  2. Bessere Entscheidungen: Bevor faule Menschen etwas tun, überlegen sie sich oft genau, ob es überhaupt wirklich nötig ist. Trägt eine Tätigkeit wesentlich zum Erreichen eines Zieles bei? Wer zu einem unnötigen Meeting nicht geht, bringt vielleicht gerade deshalb am meisten weiter mit dem Projekt.
  3. Prokrastinieren hilft: Faule Menschen können Aufgaben oft in sehr kurzer Zeit zu erledigen. Der Grund: Sie schieben die Erledigung einer Aufgabe lange vor sich her. Kurz vor der Deadline bleibt ihnen dann gar nichts anderes übrig, als die Sache möglichst schnell über die Bühne zu bringen. Außerdem hilft Prokrastination, neue Ideen und Lösungen zu entwickeln. Der oder die „Faule“ bricht in dieser Phase unbewusst aus alten Denkmustern aus und sieht das Problem von anderen Seiten. Kreativität entsteht in dieser Phase. Man sammelt neue Ideen. Je früher man dagegen bewusst mit einem Projekt beginnt, desto eher „verzettelt“ man sich, stellt verkrampfte Überlegungen an und schlägt sinnlose Pfade ein.
  4.  Sorgfalt: Faulheit ist oft das Ergebnis einer Persönlichkeitsentwicklung, die mit Geduld, Gelassenheit und Sorgfalt einhergeht. Dem „faulen“ Menschen ist Hektik eher fremd.
  5. Erfindungen: Lift, Rolltreppe, Auto, Telefon: Sie sind da, um uns das Leben zu erleichtern. Wer das Rad erfunden hat, war vielleicht nur zu bequem, um zu Fuß zu gehen .
  6. Delegieren: Welcher Chef ist angenehmer und effizienter: Einer, der alles selbst machen und regeln will, sich aber kaum auf etwas richtig konzentrieren kann, oder einer, der Arbeiten an andere delegiert und den Überblick behält? Ein „fauler“ Mensch wird alle Aufgaben, die er nicht unbedingt selbst erledigen muss, gerne abgeben, und sein Team somit zu größeren Erfolgen führen.
  7. Faulheit als Selbstschutz: Die ewige Hetze zum nächsten Termin bringt uns vor allem früher ins Grab. Wer langsamer lebt, ist nicht nur gesund und ausgeglichen, sondern lebt auch länger.

Der Arbeiterführer Paul Lafargue schrieb im 19. Jahrhundert in seinem Buch Das Recht auf Faulheit: „O Faulheit, erbarme du dich des unendlichen Elends! O Faulheit, Mutter der Künste und der edlen Tugenden, sei du der Balsam für die Schmerzen der Menschheit!“ Und der französische Schriftsteller Marcel Proust schrieb: „Aus dem Umstand, dass mittelmäßige Menschen oft arbeitsam sind und die intelligenten oft faul, kann man nicht schließen, dass Arbeit für den Geist eine bessere Disziplin sei als Faulheit”.
Das Thema bleibt aktuell. 2016 schreibt Wolf Lotter in Brand eins: “Faul sein ist unsere Bestimmung, und wenn es einen Sinn des Lebens geben sollte, dann kommt das Faulsein an und für sich dem sehr nahe. Das ist Selbstverwirklichung – im Sinne der Hippies der sechziger Jahre. Sie waren gegen eine absurde Leistungsgesellschaft angetreten”. Diese Generation gab uns nicht nur großartige Musik, sondern wir hätten – salopp gesagt – ohne den Hippie Steve Jobs auch keine schicken Macbooks: “Was in San Franciscos Haight-Ashbury begann, bestimmte bald die Kunst und Jugendkultur, und, noch wichtiger, es war das Fundament, auf dem auch die Pioniere der digitalen Revolution aufbauten.

„Arbeitet nie!“ war auch eines der Mottos, die Situationisten 1968 in Paris an Wände sprühten. Der Traum von weniger Arbeit war in den sechziger Jahren mit der Idee verbunden, dass Technologie den Menschen in der Zukunft viel mehr Freizeit erlauben würde.

Life is easy

Auch der thailändische Reisbauer Doi Suthep hat es verstanden – auf einer TEDx-Konferenz hielt er den Vortrag “Life is easy. Why do we make it so hard?” Er erzählt von einer glücklichen Kindheit im Dorf und von Besuchern, die der Meinung waren, er sei sehr arm und ihn mit Erzählungen von Karriere und Wohlstand nach Bangkok lockten. Dort, so Suthep, hätte er aufgrund von Studium und Job so viel gearbeitet, dass er sich fragte: “Warum ist das Leben hier so schwer?” Er ging zurück in sein Dorf, wo er zwei Monate pro Jahr am Reisfeld arbeitet und im eigenen Garten Gemüse pflanzt. Er hat genug für sich, seine Familie und für andere Menschen – und er empfindet sein Leben als einfach.

Und der Koala?

Der australische Beutelbär, a.k.a. Koala, ist der größte Langschläfer unter den Tieren. Sogar das Faultier kommt nur auf 18 Stunden Schlaf pro Tag, der Koala schläft 20. Der Name „Koala“ bedeutet in der Sprache der australischen Aborigines „trinkt nichts“, und so ist es auch – der Beutelbär hat einen sehr langsamen Stoffwechsel und holt sich nahezu alle Flüssigkeit aus seiner einzigen Nahrung, dem Eukalyptusblatt. Diese Blätter sind extrem ballast- und nährstoffarm. Koalas müssen also möglichst energiesparend leben – und das geht am besten schlafend. Die Faulheit sichert dem Koala das Überleben.

Die Menschheit sollte von ihm lernen. Ihr Streben in der Neuzeit ist zwar geprägt von Fleiß und Erfolg, aber eigentlich ebenfalls darauf ausgerichtet,  Arbeit, Zeit und Energie einzusparen. Menschen erfinden Lösungen aus Bequemlichkeit. Wer den ganzen Tag Lasten schleppt, hat gute Gründe, sich Transportmittel zu überlegen – ein Rad, einen Wagen, einen Lastenaufzug. Von Menschen gelöste Probleme werden mit dem Tatmotiv der Faulheit erdacht. Denn Faulheit hat Wohlbefinden und Freude am Leben zum Ziel.

Mehr Faulheit wagen!
bit.ly/2yGJRso

Life is easy. Why do we make it so hard?
youtu.be/21j_OCNLuYg

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