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Die Rettung von Pleitebanken kostet die Steuerzahler und Sparer Europas Milliarden. Für manche Beratungs- und Prüfungsunternehmen aber ist sie ein gutes Geschäft.

Die Ära der Bankenrettungen, die mit der Weltwirtschaftskrise ab 2007 begann, ist noch nicht zu Ende. Zuletzt war es die italienische Monte dei Paschi di Siena, die älteste noch tätige Bak der Welt, der schlechte Investitionen und Missmanagement einen existenzbedrohenden Verlust von 3,9 Milliarden Euro bescherten – und das nicht zum ersten mal: Die italienischen Steuerzahler brachten schon in den vergangenen Jahren Milliarden auf, damit die Bank überlebt. Die Regierung in Rom hat das Unternehmen millterweile verstaatlicht, und nun fließen erneut einige Milliarden zugunsten ihrer Rettung. In Deutschland kostete die Abwicklung der WestLB, einer großen Landesbank, rund 18 Milliarden Euro. In Österreich wurden seit 2007 zwei Banken notverstaatlicht, die Kommunalkredit Austria und die Hypo Alpe Adria.

Das in Amsterdam beheimatete Transnational Institute (TNI) hat eine Studie zum Thema Bankenrettungen durchgeführt. Zwischen den Jahren 2008 und 2015 haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union 747 Milliarden Euro für Bankenrettungen ausgegeben. Dazu kommen noch rund 1,2 Billionen Euro für Bürgschaften und Garantien. Neuere Rettungsaktionen wie die der oben erwähnten Monte dei Paschi di Siena sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Das meiste Geld für die Bankenrettungen wird natürlich durch die Erhöhung von Staatsschulden aufgebracht – dafür werden jährlich immer neue Zinszahlungen fällig, die wiederum zu Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen beim Sozialsystem führen. In manchen EU-Mitgliedsstaaten machen die Kosten für Bankenrettungen mittlerweile den größten Teil der Staatsschulden aus – in der Republik Irland etwa ein Viertel.

Gleichzeitig sind Bakenrettungen aber ein großes Geschäft – vor allem für Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften. Sie stellen nämlich bereits beim Prüfen der Absturzbanken gesalzene Rechnungen. Diese „Stress Tests“ kosten hunderte Millionen Euro, sind aber oft wenig aussagekräftig: Kurz bevor etwa das spanische Unternehmen Bankia mit 24 Milliarden Euro Schulden abstürzte, bescheingte ihr dessen Wirtschaftsprüfungsunternehmen noch einen Gewinn von 300 Millionen. Sowohl die Rechnungen für die Stress Tests, als auch für das Konzept zur Rettung der Bank und schließlich auch die Rettung der Bank selbst bezahlten die Bürgerinnen und Bürger.

Ein Oligopol von vier solchen Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften teilt sich in Europa diesen lukrativen Markt untereinander auf. In der EU kommen die Firmen PWC, EY, Deloitte und KPMG auf gut 60% Marktanteil im Geschäft mit den Stress Tests – in den von Problemen geplagten Ländern Spanien und Italien beträgt ihr Marktanteil sogar 80%.

Diese Wirtschaftsprüfer blieben nach der Pleite zahlreicher Banken trotz des Versagens ihrer Prüfungsvorgängen  weiterhin im Geschäft. Sie überwachen teilweise sogar die Pensionsfonds der geretteten Unternehmen. Und dieselben Firmen verdienen laut der Studie des Transnational Institute außerdem Millionen Euro damit, EU-Mitgliedsstaaten zu beraten, wie sie gescheiterte Banken retten können. Firmen wie EY, Deloitte, KPMG und PWC haben die großen Rettungspakete der letzten Jahre ausgearbeitet. Sie sind also für das Scheitern mit den teuren, aber wirkungslosen Stress Tests der Problembanken auch noch belohnt worden.

Studie des Transnational Institute:
https://www.tni.org/en/publication/the-bail-out-business

 

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